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‚Theaterprojekt‘ – was bedeutet das? Es bedeutet nicht nur die zeitlich begrenzte Zusammenarbeit für ein ausgewähltes Stück, sondern bei uns darüberhinaus die umfassende, gemeinsame Arbeit bis dieses Stück auf der Bühne steht. Das ist die Arbeit des gesamten Ensembles an den Texten, dem Gesang, der Choreografie, den Kostümen, der Licht- und Tontechnik, es ist der gemeinsame Bühnenbau und vieles mehr. Vor allem aber ist es die Freude am gemeinsamen Spiel.
 
Zweimal jährlich bietet das Igstadter Scheunentheater, die Theatergruppe der Ev. Kirchengemeinde, die Mitwirkung an solchen Theaterprojekten an. Erfahrene Theater- und Musikpädagogen leiten das Ensemble, das sich einmal in der Woche zu Proben trifft. Hierbei handelt es sich um ein offenes Angebot, Bühnenerfahrung muss keine vorliegen. Die große Freude am Theaterspielen ist dabei natürlich eine wichtige Voraussetzung, ebenso die Bereitschaft, viel Zeit in die Intensivphasen vor den Aufführungen zu investieren. 
 
Im November 2015 wurden wir mit dem neu ausgelobten „Wiesbadener Bühnen-Siegel“ für Theaterinitiativen ausgezeichnet.
 
Gerrit Voges
Leiter des Scheunentheaters                                                                                                                                                                                   
 
Nicht alles ist virtuell, manches auf der Bühne ist auch aus Holz. Wir danken der Schreinerei unseres Vertrauens  "BRAUER" für die Unterstützung der Theaterarbeit.
 
 

 

 

 

Mein kleiner Horrorschaden - Von Wunsch und Wirklichkeit
Sarah Yurtöven, 20. Juli 2017


Am 21. Tag des Monats September musste ich, wie es Arbeitnehmer häufig tun, früh Morgens aufstehen und zur Arbeit gehen. Ich hatte mich extra herausgeputzt: Denn bei soviel Interviews und Fototerminen sollte man schon etwas Hübsches tragen. Ein Kleid aus Chiffon zum Beispiel - nicht so was billiges, was die Kerle scharf macht.

Es war ein anstrengender Tag – denn ich hatte einen prallen - -nunja - - Terminkalender! Zur Mittagszeit beschloss ich daher, eine kurze Pause einzulegen und den Rat eines Freundes zu befolgen und mir etwas zu essen zu kaufen. Ich schlenderte also über den Markt und hatte völlig die Orintierung verloren. Ich lief vorbei an Chinesen die Crystal-Gläser verkaufen wollten und vorbei an den unzähligen Zykatien-Händlern die sich neuerdings auch dort trafen, um ihre Ware anzubieten. Dieses Wort hatte ich noch niemals je gehört, gesagt, wie auch immer… und konnte mir so recht nichts darunter vorstellen. Kann man das rauchen? Macht das high?Eine Promoterin im knappen roten Glitzerfummel verteilte Flyer an die hektisch durch die Stände ziehenden Passanten. Schielend und mit breitem Grinsen drückte sie auch mir schließlich einen in die Hand, sichtlich erfreut wieder etwas an den Mann gebracht zu haben. Mit brennenden Augen las ich die Werbung der „International Plants Cooperation“  - ‚ICH BAU MIR EINE PFLANZE TEIL 2’ // DIE FORTSETZUNG DER LEGENDÄREN WORKSHOPREIHE MIT DEM UNGLAUBLICHEN MAGIC MARTIN. DER, MIT DEM GRÜNEN DAUMEN. Vielleicht hätte der mir sagen können, was Zykatien sind? „Zykatien“ wiederholte ich wieder und wieder in Gedanken – solange, bis es wirklich merkwürdig klang. So wie Schüssel. Oder Baum. Oder Bauch. Oder Blut.  Ein merkwürdiges Wort für etwas so Existenzielles. Blut. Blut. Blut. Buff! Man merkt -  ich wurde schon ganz dusselig vor Hunger und Müdigkeit! Glücklicherweise fand ich schnell einen Stand, denn schon eine gefühlte Ewigkeit hatte ich kein Happa-Happa mehr gehabt – und das war nun schon sicher eine Woche her! Am Grill stand ein Mann mit dunklen Haaren und einer schwarzen Lackschürze. Furchterregend sah er aus -  In der Hand eine rostige Grillzange wendete er die Würstchen auf dem Rost. Hungrig bestellte ich bei seiner Assistentin, die mir erst säuselnd mitteilte, dass ich als nächstes dran sei und mir dann auch prompt ein kaltes Würstchen in seinem unverarbeiteten Zustand reichte, das sie noch kurz zuvor umständlich aus der Umverpackung fingerte, welche bedeckt mit Plastik war. „Wollen Sie es nicht erst noch auf Ihren Gas-Grill legen?“ fragte ich erstaunt? „Nein!“, entgegnete der Grillmeister. „Man isst roh, in der Skid Row!“ Verblüfft sah ich ihn an. “Klar“, dachte ich und als ich etwas verwundert grade mein Tofuwürstchen bezahlen wollte, stellte ich fest, dass ich schon wieder pleite war. Wieder pleite…. 1,95$ wollte er mir abknöpfen! Wütend machte ich mich auf die Suche nach meinem Kumpel Seymour, der auch öfter auf dem Markt herumlungerte. Ich sah unter die umstehenden Ladentische. Schließlich entdeckte ich ihn – schlafend unter einem Gartentisch! Neben ihm stand ein Eimer Sangria und mir war sofort klar, weshalb er am hellichten Tag dort faul herumlag. Das kam noch nie vor! Sicher war er erschöpft vom Fegen der Böden, und den Putzen der Toiletten. Ich näherte mich und tippte ihn behutsam an. Ich wollte ihn nicht erschrecken. „Seymour“, flüsterte ich. „Seymour“, immer lauter werdend. Dann endlich öffnete er seine Augen und sah mich blinzelnd – noch im Halbschlaf- durch seine Brille an. „Seymour…“ setzte ich erneut an. Doch wo sollte ich nur beginnen? Ich rang nah Worten, wusste nicht mehr wo der Anfang war. Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!« Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort? Und schon als ich mit dem Wort beginnen wollte, der Satz meine Lippen verließ wusste ich bereits: Das war falsch! „Was immer ich anstell’, es ist wohl ein Witz!.... Ich hab dich bewacht und du hast mir bisher nur Kummer gemacht!“ Er schreckte auf und stieß dabei den Eimer um und schon zierten lauter kleine rote Flecken das Linoleum, das zur Dekoration unter dem Tisch lag. Aus der Distanz hörte ich noch seinen Chef schreien „Seymour, was haben Sie jetzt wieder angestellt? Die schöne Lichtwand!“ – doch da war es schon zu spät. Ich fühlte mich schuldig. und murmelte betreten „Oops! Da Doo ja jetzt wach bist… darf ich dich etwas fragen?“ – „Was du willst“ antwortete er verkatert. Ich dachte mir: „Jetzt hab ich Seymour!“  -  Schüchtern fragte ich „Kannst du mir was borgen?“ „Was willst du noch nehmen, von einem Ausgesaugten?“, fragte er und sah mich mit großen Augen an, die durch seine dicken Brillengläser noch größer und bedrohlicher wirkten. Ich stotterte „ Habe nun, ach … ich habe ja nur gedacht…“ doch er war sichtlich in Rage. Während ich ihm versöhnlich und zitternd eine Packung Papiertaschentücher hinhielt, damit er seine Sauerei wegwischen konnte, schrie er mich an „Was ?! Seit ich leb war ich immer arm und jetzt kommst du und….“ Arm, Der arme Tor! Ich erschrak. Einige Softies fielen, langsam, beinahe wie in Zeitlupe, sanft und majestätisch…auf den staubigen Boden. Wie Blätter im Herbst. Wie Federn im Wind. Wie Schuppen von den Augen. Sicher hatte er all sein erspartes in der Gosse gelassen. Das war ein Nachtlokal, in dem die Leute Nachts „arbeiten“…. Ich fand Seymour echt zum Kotzen und es wär wirklich toll, käm ich hier mal raus, doch so leicht war das gar nicht: Ich wills, doch ich, ich kann es nicht. Mein Blick schweifte haltsuchend über den belebten Marktplatz und traf eine alte Dame mit einem Ronnetor. Immer zu hob sie den rechten Arm in Richtung Himmel, wo sich gerade der Mond vor die Sonne schob und rief immer zu „Wir werden siegen!“ Unweigerlich musste ich lachen. Ist die nicht grotesk?! Ihr Blick glich einer Mischung aus Wahnsinn und botanischem Genie.  Sie musterte mich kritisch. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich das starke Brusthaar welches ihr opulentes F-Körbchen zierte. „Was hast du?“ fragte sie mich direkt und ohne umschweifen. „Das Ding hat mich“ antwortete ich ihr ebenso ungeniert und griff beherzt in das sich lockende Brusthaartoupet, das ich sogleich in meinen Händen hielt. Das also ist des Pudels Kern!

Von all dem, von dem Sie eben Zeuge wurden gab es manchen Fall der diesem verblüffend ähnlich war: Mal redet man „wirres Zeug“, mal sind die Letzten die Ersten und mal fehlen einem gänzlich die Worte. Und wer hat schon den Zusammenhang verstanden?  -(Vielleicht vertrage ich auch einfach das Wetter nicht!) Es ist nicht hergebracht, die Frau als Epilog zu sehen: aber es ist nicht unziemlicher, als den Herrn als Prolog zu erblicken. Ich beschwöre euch: Mancher Dummkopf gab sich dafür her: Stellt sich auf die Bühne Abend für Abend, entflieht in die Fantasie und stiftet eben die.  Ihr wisst, auf unsern deutschen Bühnen, probiert ein jeder, was er mag. Das Ding hat uns, das Theater. Wir haben es geschaffen und wir können es vernichten. Egal ob mit Messern, Kugeln, oder Rattengift. Egal ob es zäh von außen ist oder wir es schließlich von innen kriegen. Denn die ganze Welt ist Bühne - Und alle Fraun und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und geben wieder ab - Sein Leben lang spielt einer manche Rollen - durch sieben Akte hin…Und sind wir am Finale angelangt so wollen wir doch bloß das Eine: Sterben, schlafen… vielleicht auch träumen.

Da ich steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor und frage mich doch wirklich …sind wir nicht alle kleine Dummköpfe?